Avengers: Spider-Man kommt im Zeitalter der Selfies an - news.ORF.at

2021-11-23 06:23:34 By : Mr. Bruce Pang

Regisseur Jon Watts ist mit „Spider-Man: Far from home“ eine äußerst charmante, humorvolle und zeitgemäße Teenie-Komödie gelungen. Peter Parker (Tom Holland) alias Spider-Man ist ein hormongesteuerter Teenager – und soll trotzdem die Welt retten. Jake Gyllenhaal macht auch als Mysterio eine starke Leistung.

Der umjubelte Vorgängerfilm von Marvel, "Avengers: Endgame", hinterließ bei den Superhelden-Fans ein großes Fragezeichen. Offenbar hat es der böse Thanos tatsächlich geschafft, die Hälfte der Menschheit auszurotten, weil er die Ressourcen für die Zukunft bewahren wollte und zudem größenwahnsinnig war. Doch wer wo und wie vernichtet wurde und wie die übrige Hälfte der Bevölkerung reagierte und wie das „halbierte“ Leben weiterging, wurde nicht einmal angedeutet.

Die Auflösung findet in den ersten Minuten des neuen „Spider-Man“ statt – der Film ist daher ein Muss für jeden, der ein emotionales Interesse am Schicksal der Avengers und ihrer Welt hat. Die Lösung des Halbierungsrätsels ist nicht gerade ausgerollt, aber durchaus gelungen – und soll hier nicht verraten werden. Nur so viel: Es kam anders, als Sie dachten.

Aber eigentlich geht es um Spider-Man, der offenbar die Nachfolge von Robert Downey Jr.s Figur Tony Stark antreten soll. Er wiederum hatte sich am Ende von "Avengers: Endgame" als Iron Man für die Menschheit geopfert. Doch Spider-Man ist mit sechzehn noch ganz grün hinter den Ohren und hat vor allem einen Plan: die hübsche MJ (Zendaya Maree Stoermer Coleman) auf einem Highschool-Trip durch Europa zu zerreißen.

Es ist ärgerlich, dass plötzlich alle von ihm erwarten, dass er die Welt rettet. Die Ironie und der Sarkasmus dieses Konflikts werden gnädig und nicht reizlos genossen, ganz im Gegenteil zum ernsthaften "Endspiel" davor. Diesmal kann man viel lachen, und der Film ist absolut geeignet für Teenager oder einen Familienfilm.

Interessant: Das Avengers-Universum kommt heute mit Spiderman an. Der coolste Schachzug von ihm, um die Geliebte zu überzeugen: Schwingen Sie sich mit Spinnweben durch die Stadt mit Ihrem Liebsten im Arm – und machen Sie Selfies, so viel Sie können. Wenn er beim Swingen ohne sie über Social Media mit ihr kommuniziert, warnt sie ihn mit einer kurzen Nachricht: "Don't swing and text!"

Das Hauptthema sind jedoch Fake News, die auch hier als Zeitphänomen verortet sind. Sind die "Elementale", die die Erde bedrohen, real? Die Monster aus Feuer, Erde, Wasser und Wind, die halb Venedig zerschmettern und dann es mit London aufnehmen? Was ist wahr, was ist nur ein Schein? Die Leute glauben sowieso alles, was ihnen vorgesetzt wird. Und jemand profitiert davon. Aber wer ist diesmal der Demiurg, der die Wahrheit verschleiert und Angst und Schrecken verbreitet?

Spider-Man soll die Dinge herausfinden und in Ordnung bringen, aber erstens ist er damit beschäftigt zu flirten und zweitens kann er nicht gut mit dem Druck umgehen, in die überdimensionalen Fußstapfen von Iron Man zu treten. Mit entsprechender Strenge hält ihn die Samuel-L.-Jackson-Figur Nick Fury in Schach und lässt ihn nicht raus. Die Spannung ergibt sich aus drei Fragen: Wird Spider-Man das Handtuch werfen? Kann er den Bösewicht entlarven und besiegen? Und wird er seinen Auserwählten von sich überzeugen können? Übrigens, wie immer im Marvel-Universum: Nicht zu Beginn des Abspanns aufstehen und gehen. Es folgt eine längere, nicht unwichtige Szene.

Alles in allem überzeugt der Film mit Demut, ein bisschen Spannung, ein bisschen Action und einer wohldosierten Prise Philosophie. Klar, es gibt Kalenderzitate, aber sie müssen nicht schaden. Spider-Man ist also nicht der einzige, der Probleme mit Aufregung hat. Irgendwann dazwischen, sehr prägnant von einem seiner Teenager-Freunde, der schöne Satz: "Frau und Mann wachsen auseinander, aber die Erinnerung an die gemeinsame Reise wird ihnen für immer bleiben."